Der Zilpzalp – ein unscheinbarer Sänger mit großer Stimme

Zilpzalp
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Mit fast vier Millionen geschätzten Brutpaaren alleine in Deutschland zählt der Zilpzalp zu den häufigsten Vogelarten Mitteleuropas. Dennoch haben viele Menschen den kleinen Vogel noch nie gesehen oder zumindest nicht bewusst wahrgenommen. Mit seinem absolut unscheinbaren Äußeren kann er sich nämlich perfekt im Unterholz verstecken.

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Sein Gesang hingegen ist wahrscheinlich den meisten Menschen schon begegnet. Der unverwechselbare Ruf ist es gewesen, der dem Zilpzalp seinen Namen gegeben hat.

Das unscheinbare Federkleid des großen Sängers

Der Zilpzalp gehört der Gattung der Laubsänger an, die sich durch ihren kleinen, schlanken Körperbau und ihren Gesang auszeichnen. Die kleinen Singvögel haben insgesamt eine sehr unauffällige und kontrastarme Färbung, die bei Männchen und Weibchen gleich ausfällt. Ihr auffälligstes Merkmal ist der Gesang.
Auch der Zilpzalp ist optisch sehr unscheinbar. Er hat einen kleinen, kompakten Körper, der in der Regel zwischen zehn und zwölf Zentimeter lang ist und ein Gewicht von sechs bis zehn Gramm aufweist. Das Federkleid ist bräunlich und grün und hat keine auffällige Musterung. Der Bürzel ist oft in einem etwas helleren Grün gefärbt, während Kehle und Brust schmutzig weiß mit gelben und beigen Anteilen sind. Über den Augen ist ein gelblicher Streif erkennbar, der sich deutlich gegen die dunkle Färbung unterhalb der Augen und der Ohrdecken absetzt. Die Beine sind dunkelbraun oder grauschwarz.
Große Verwechslungsgefahr besteht bei Zilpzalp und Fitis. Die beiden Zwillingsarten haben ein ganz ähnliches olivfarbenes Gefieder und sind auch gleich groß. Unterscheiden kann man sie an den Beinen, da der Fitis in der Regel deutlich hellere Beine hat. Sobald die Vögel ihren Gesang anstimmen, ist eine Verwechslung aber ausgeschlossen, da sich die Rufe deutlich unterscheiden.

Der namensgebende Gesang des Zilpzalps

Während der Zilpzalp äußerlich sehr unscheinbar daherkommt und leicht mit anderen Laubsängern verwechselt werden kann – insbesondere mit dem Fitis – ist sein Gesang absolut unverwechselbar. Tatsächlich geht der Name Zilpzalp auf den einzigartigen Gesang des Vogels zurück, der wie „zilp-zalp-zilp-zalp-zilp-zalp“ klingt. Der laute Gesang aus unregelmäßig zusammengesetzten Silben wird gerne von einem etwas härter klingenden „trrt“ begleitet. Der Lockruf, der auch im Herbst häufig zu hören ist, ist ein kurzes, hartes „huit“.

Der Zilpzalp hat in ganz Europa sein Zuhause

Zwischen März und Oktober lassen sich auf dem gesamten europäischen Kontinent und in weiten Teilen Russlands, bis nach Sibirien, Zilpzalpe finden. Vereinzelt sind sie auch in der Türkei, Turkmenien und Armenien zuhause.
Grundsätzlich bevorzugt der Zilpzalp bewaldete Gebiete für seinen Lebensraum, aber auch in geschützten Gärten, Parkanlagen oder begrünten Randbereichen von Städten fühlt er sich wohl. Ordentlicher Baumbestand und eine deutlich erkennbare Strauchschicht bieten dem kleinen Laubsänger die optimalen Lebensbedingungen.
Da er vor allem in bewaldeten Gebieten zu finden ist, erstreckt sich sein Lebensraum nur etwa bis zur Waldgrenze in 1400 bis 1500 Metern Höhe. In den Alpen wurden allerdings auch schon Bruten zwischen 1800 und 2060 Metern Höhe nachgewiesen.
Im Winter zieht der Zilpzalp in den Süden, vorzugsweise nach Nordafrika. Aber auch im Süden Europas überwintern immer öfter kleinere Gruppen der Laubsänger.

Bei der Brut leistet das Zilpzalp-Weibchen die Hauptarbeit

Zum Ende des ersten Lebensjahres ist der Zilpzalp geschlechtsreif. Nach der Überwinterung im Süden kehren in der Regel zuerst die Männchen zum Brutplatz zurück, einige Tage oder Wochen später auch die Weibchen. Die Balzzeit liegt in Mitteleuropa zwischen Mitte März und Ende Juli.
Zur Balz jagt das Männchen flügelschlagend und mit aufgeplustertem Gefieder hinter dem Weibchen her. Das Weibchen signalisiert seine Paarungsbereitschaft ebenfalls mit schnellen Flügelschlägen. In der Regel gehen Zilpzalpe monogame Saisonehen ein, einige Männchen verpaaren sich allerdings auch mit mehreren Weibchen.
Die Auswahl des Nistplatzes und der Nestbau sind Aufgabe des Weibchens. Beliebte Standorte sind geschützte, dichte Bereiche im Unterholz, beispielweise in Brombeeren, hohem Gras, Brennnesseln oder jungen Laubbäumen. In etwa zehn bis vierzig Zentimeter Höhe, seltener auch direkt auf dem Boden, errichtet das Weibchen ein rundliches, geschlossenes Nest aus Halmen, Gras und Moos. Zur Innenauskleidung werden besonders weiche Materialien verwendet, gerne auch kleine, feine Federn oder Wolle. Normalerweise benötigt das Zilpzalp-Weibchen rund vier bis sechs Tage zum Nestbau.
Ab Mitte April bis Ende Juli erfolgt dann die Eiablage. Die kleinen weißen Eier sind mit feinen dunkelbraunen bis schwarzen Flecken versehen. Nach etwa zwei Wochen Brutzeit schlüpfen die kleinen Zilpzalpe und verbleiben weitere zwei Wochen im Nest. Während der Brut versorgt sich das Weibchen normalerweise selbst mit Nahrung und auch die Fütterung der Jungen ist seine Aufgabe. Nur in Ausnahmefällen hilft das Männchen mit.
Die Jungvögel sind nach etwa 15 bis 17 Tagen flugfähig, werden allerdings die ersten Tage noch von den Eltern geführt. Nach etwa drei bis vier Wochen sind sie komplett selbstständig. Oft führen die Altvögel noch eine Zweitbrut durch.

Menschen, Katzen, Raubvögel – die größten Bedrohungen für den Zilpzalp

Die größte Gefahr für den Zilpzalp stellt der Mensch dar, der in seinen natürlichen Lebensraum eindringt und Brutmöglichkeiten zerstört. Aber auch in der Tierwelt gibt es einige Gefahren für den kleinen Laubsänger.
Durch die besonders tief gelegenen Nester sind Zilpzalpe relativ leichte Beute für Katzen oder Marder. Insbesondere in der Nähe von Städten und Siedlungen sind Hauskatzen ein ernsthaftes Problem für die Vögel.
Auch andere Vogelarten gehören zu den natürlichen Fressfeinden. Greifvögel, insbesondere Sperber, erlegen ab und zu durchaus auch einen Zilpzalp. Besonders gefährlich sind allerdings Elstern, die als ausgesprochen intelligente Nesträuber gelten. Sie sitzen in den Ästen der Wälder und beobachten die kleineren Vögel genau. Warnen Zilpzalpe vor Katzen oder anderen Feinden, verschwinden die Weibchen schnell in ihren Nestern, um die Jungen zu schützen. Die Elstern wiederum suchen dann gezielt die Sträucher ab, in denen die fütternden Altvögel verschwunden sind, um dort die Nester zu plündern.
Auch der Kuckuck fordert regelmäßig seine Opfer, da Zilpzalpe keine fremden Eier bebrüten. Stattdessen zerstören sie umgehend ihr Nest und lassen es zurück.

Der Zilpzalp wird nicht alt

Die maximale Lebenserwartung eines Zilpzalps liegt bei etwa sieben bis acht Jahren. Allerdings erreichen die Vögel selten ein so hohes Alter, da die Mortalitätsrate recht hoch ist. Allein während der Brutzeit kommt es zu erheblichen Verlusten. Studien haben gezeigt, dass es nur bei sechzig bis achtzig Prozent der gelegten Eier tatsächlich zu einem Ausschlüpfen kommt. Von den geschlüpften Nestlingen überleben zwischen siebzig und 95 Prozent bis zum Ausfliegen. Bei durchschnittlich fünf bis sieben Eiern pro Gelege kommen so nur zwischen drei und vier Junge zum Ausfliegen.

Schwärme von Zilpzalpen bestehen zu einem großen Anteil aus jungen Vögeln im ersten oder zweiten Lebensjahr, ältere Vögel machen nur einen geringen Teil aus. Sehr selten werden Vögel gefangen, die älter als fünf oder sechs Jahre sind. Das weist auf eine hohe Sterblichkeit auch im Erwachsenenalter hin.

Ein ausgewogener Speiseplan mit Insekten, Weichtieren, Beeren und Nektar

Der Zilpzalp ist ein Allesfresser, der sich sowohl von kleinsten Tieren, wie Insekten, Asseln oder Spinnen, ernährt, als auch von pflanzlichen Quellen wie Beeren oder Nektar.
Die Hauptnahrung der Zilpzalpe stellen kleine Insekten und deren Entwicklungsstadien, sowie Spinnen, Asseln und Schnecken dar. Auch die Nestlinge werden vorzugsweise mit kleinen Weichtieren oder Würmern gefüttert.
Der Zilpzalp verbringt einen Großteil seiner Zeit mit der Nahrungssuche. Diese findet überwiegend in Baumkronen ab etwa zehn Metern Höhe statt, seltener auch in den unteren Strauch- und Krautschichten und nur in Ausnahmefällen auf dem Boden. Mit flatternden Sprüngen und an Ästen hängend sucht der Laubsänger die Blätter und Zweige nach möglicher Nahrung ab. Auch kleine Rüttelflüge, bei denen der Zilpzalp mit dem Schwanz abwärts schlägt, gehören zu den bei der Nahrungssuche angewandten Techniken.
Im Frühling und Frühsommer können Zilpzalpe beobachtet werden, wie sie Pollen oder Nektar zu sich nehmen. Da dabei immer auch etwas Pollen an ihren Schnäbeln hängenbleibt, tragen sie zur Bestäubung der Blüten bei. Insbesondere im Spätsommer und Herbst fressen sie vorzugsweise auch Beeren und Früchte.

Der Zilpzalp im heimischen Garten

Damit sich der Zilpzalp auch in der Stadt und im heimischen Garten wohlfühlt, ist es wichtig, ihm geschützte Rückzugsmöglichkeiten zu bieten. Eine wilde Ecke im Garten, in der Sträucher, Brombeeren oder kleinere Hecken dicht wuchern, ist ideal. Wichtig ist, dass Katzen und Hunde keinen Zugang haben, da die Nester in Bodennähe völlig ungeschützt sind.
Klassische Futterstellen mit Körnern und Meisenknödeln sind für einen Zilpzalp uninteressant. Der Laubsänger ernährt sich vorwiegend von Insekten und findet seine Nahrung in den Kronen der Bäume. Naturbelassene Gärten mit altem Baumbestand und einer dichten Strauchschicht bieten in der Regel genug Futtermöglichkeiten für den Vogel.
Eine Wasserstelle hingegen ist gerade im Sommer äußerst hilfreich und kann den Zilpzalp in den heimischen Garten locken. Eine herkömmliche Vogeltränke oder auch ein Gartenteich sind willkommene Ziele. Hier kann der Vogel baden und trinken.